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England 2019

Tag 10: Mittwoch, der 25. September 2019

Alte Steine, schiefe Bäume

Heute vormittag ist der Regensturm so stark, dass wir beim besten. Willen nicht rauswollen. Gestern haben wir erstmals den Kamin angemacht, um uns nach dem unangenehmen Wetter in Land’s End wieder aufzuwärmen. Heute morgen machen wir es uns gemütlich und schauen uns das miese Wetter von drinnen an.

Ab mittag wird das Wetter besser und vor allem trockener, aber wir werden heute keine große Fahrt mehr machen sondern uns in der Gegend umsehen.

Von den Dingen, die Cornwall so besonders machen wollen wollen wir uns mit drei Themen noch näher beschäftigen: Den Pubs (die wir als Alkoholabstinenzler uns nur von außen ansehen), die alten Kirchen mit ihren verwunschen wirkenden Friedhöfen und die windgebeugten Bäume.

In einer der Kirchen haben wir eine supernette englische Lady getroffen die uns von der Geschichte ihrer Kirche erzählt hat. England und gerade Cornwall ist voll mit historischen und prähistorischen Artefakten, denn nicht nur der Krieg ist nicht bis hierhin gekommen sondern nichtmal die letzte Eiszeit hat es hierhin geschafft. Die Herausforderung das alles zu erhalten ist im Grunde mehr als von den Menschen zu bewerkstelligen ist, das ist überall deutlich sichtbar.

Das was wir als charmant und verwunschen empfinden ist in Wahrheit freilich eine fehlende Reglementierung, da machen wir uns nichts vor. In Deutschland werden schief stehende Grabsteine ebensowenig geduldet wie verwilderte Gräber, und selbst die künstlerisch wertvollsten Grabmäler werden gnadenlos abgebaut wenn sie einen wackeligen Eindruck machen. Natürlich bestehen hier auch nicht alle Steine den Test der Jahrhunderte, und es kann passieren dass der Grabstein für die über alle Maßen geliebte und (im Jahr 1873) schmerzlich vermisste Mary Bridget im Jahr 2019 schließlich als Begrenzungsstein für den Kompost dient.
Die Menschen die sich Sonntags in der St. Swithin’s Church bei Bude einfinden freuen sich jedenfalls wenn auf den uralten verwilderten Gräbern im Frühjahr die Wildblumen blühen und durch die mittelalterlichen Glasfenster leuchten.

Wir überließen die Lady dann wieder den Vorbereitungen für die nächstes Wochenende anstehende Hochzeit, ließen noch eine Spende und den obligatorischen Eintrag im Gästebuch da und machten uns wieder auf den Weg.

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England 2019

Tag 9: Dienstag, der 24. September 2019

Wo Europa zu Ende ist

Heute wurden von Dieter die meisten Fotos mit der alten Kamera geschossen, die wir zur Zeit nicht auslesen können. Die Fotos die Ihr hier seht sind ja sowieso nur ein kleiner Einblick und auch nur grob bearbeitet.

Als sich heute morgen im englischen Frühstücksfernsehen eine Wolkenlücke andeutete, haben wir uns direkt um 8 Uhr auf die Socken gemacht und sind Richtung Süden gefahren. Mittlerweile sind alle Schlaglöcher in den Straßen gut mit Regenwasser gefüllt, so dass man nicht sehen kann wie tief sie sind, und wenn uns auf den engen Straßen ein Auto entgegenkommt fahren wir freiwillig an den matschigen Rand, weil wir erstens ja auf Urlaub sind und Zeit haben, andererseits auch Mitleid mit den Kleinwagen haben die sich leicht festfahren könnten.

Unser erstes Ziel heute ist St. Michael’s Mount, die Gezeiteninsel an der Südwestspitze Cornwalls. Bei Niedrigwasser kann man über einen Steg dorthin laufen, bei Hochwasser bringen einen Boote für 2 Pfund pro Kopf und Strecke hin und wieder zurück. Zur Zeit fällt die Ebbe auf die frühen Morgenstunden und den Abend, so dass der Fußmarsch nicht in Frage kommt.
Der Anblick allein vom Ufer aus ist atemberaubend und die Insel sieht fast aus als hätte man sie aus einem Fantasyfilm ausgeborgt. Auf der Insel kann man Schloss und Kapelle besichtigen, was wir uns aber schenken weil wir noch 2 andere Ziele ansteuern wollen bevor das Wetter gegen Mittag wieder umschlägt.

Wir fahren weiter nach Land’s End, wo wir zwischen hunderten Autos und Bussen stehen und wir befürchten einen schrecklichen Massenauflauf. Wie sich herausstellt ist den meisten Besuchern jedoch das wieder schlechter werdende Wetter zu ungemütlich und sie belegen so ziemlich jeden verfügbaren Platz in den Restaurants und Cafés vor Ort.
Wir sind mit dem windigen, aber noch trockenen Wetter zufrieden und machen einen Spaziergang an dem Kunsthandwerkerdörfchen vorbei bis zu den Stellen, von denen ich einen sensationellen Ausblick auf die Klippen habe. Es gibt dort kein Geländer oder dergleichen, deswegen ist jeder mit Höhenangst gut beraten sich fernzuhalten. Mir macht das nichts aus, aber es fängt wieder an zu regnen und wir müssen uns sputen wenn wir die restlichen Fotospots noch mitnehmen wollen denn der Regen kommt genau aus der Richtung in die wir fotografieren wollen. Der eine oder andere Tropfen auf dem Foto dient daher der Veranschaulichung.

Das dritte Ziel St. Ives erreichen wir wieder über endlose Landstraßen durch die Heidelandschaften, an verfallenen Minen und Telegrafen vorbei.

Die Idee dort im Trockenen zu Mittag zu essen hatten vor uns schon ein paar hundert andere Leute, daher fahren wieder zurück nach Holsworthy.