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England 2019

Tag 17: Mittwoch, 2. Oktober

Versteinerte Ritter und eine Stadt der Muse

Ein Tag ohne Regen! Es kommt uns so vor als würde das Tiefdruckwetter schon seit Monaten andauern, dabei war noch vor 2 Wochen perfekter Spätsommer. Heute hingegen haben wir einen schönen Herbsttag mit aufgelockerter Bewölkung wenn auch kühleren Temperaturen.

Etwas über eine Stunde Fahrt bringt uns zu den Rollright Stones, einer Ansammlung von neolithischen Steinmonumenten. Es gibt einen Steinkreis und weitere Monolithen, die mit einer Legende garniert geliefert werden: Es kam einst ein König mit seinen Rittern und einer kleinen Armee durch die Cotswolds und lief einer Hexe über den Weg und ließ sich auf eine Wette ein: Sieben lange Schritte sollte er machen, wenn er nach dem siebenten Schritt das Dorf Long Compton sehen könne werde er König von England. Er machte seine Schritte, doch die Hexe betrog ihn und ließ vor seiner Nase einen Hügel entstehen und versperrte ihm die Sicht. Er hatte also die Wette verloren und wurde in Stein verwandelt („King Stone“), seine Ritter in weitere Monolithen („Whispering Knights“) und die Armee in den Steinkreis („Kings Men“). Die Hexe selbst soll dort auch noch herumstehen in Gestalt eines sehr alten Baumes und sollte dieser gefällt werden erwachen alle Männer wieder zu leben. Wie dem auch sei – hier in England wird ein alter Baum so schnell überhaupt nicht gefällt, selbst wenn er tot ist darf er noch stehen bleiben bis er von allein umfällt, zu sehen überall auf dem Land.

Die Rollright Stones stehen recht unscheinbar am Wegesrand und sind leicht zu übersehen, wir hätten sie ohne den typischen Infopoint und Pay-and-Display Parkplatz Hokuspokus beinahe nicht gefunden. Ein Schild vermerkte dass der Ort wegen Bauarbeiten ab heute geschlossen sei, aber die Bauarbeiter ließen uns netterweise dennoch hin. Eintritt kostete es natürlich trotzdem und man wirft seine 1 Pfund pro Nase in eine Spardose vor Ort.

Nur eine halbe Stunde entfernt von dort liegt das Städtchen Stratford-upon-Avon, welches sich rühmt der Geburtsort von William Shakespeare zu sein. Nun gibt es ja Leute die behaupten, der in den Geburtsregistern verzeichnete William Shakespeare sei irgendwer, nur nicht der Autor der Stücke und dieser vielmehr ein Pseudonym für jemand oder sogar mehrere andere Autoren, aber die meisten Historiker gehen doch inzwischen davon aus dass es genau dieser war.

Stratford-upon-Avon ist Sitz der Royal Shakespeare Company, und überall ist er das vorherrschende Thema. Die lokalen Souvenirshops verkaufen kleine Büsten, T-Shirts, seine Werke als Buch oder Film, kleine Essays wie „schöner beleidigen mit Shakespeare“ oder lustige Adaptionen wie die Star Wars Bücher in Shakespeare Sprache („The Empire striketh back“, mit gar entzückenden Illustrationen ) oder Deadpool Comic im Shakespeare Stil („Deadpool does Shakespeare“).

Wir gehen am Theater vorbei, den malerischen Fluss entlang den eine wunderschöne Parkanlage säumt bis zur Holy Trinity Church, die Shakespeares Grab beherbergt. Der gute hat einen Ehrenplatz hinter dem Altar, und auch seine Familie liegt zum Großteil dort bestattet. Sehenswert übrigens auch das prächtige Chorgestül mit den im Mittelalter verbreiteten Miserikordien, also in den Klappstuhlrand eingearbeitete Stehhilfen.

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Tag 16: Dienstag, 1. Oktober 2019

Die Kathedrale in Hereford und – oh, Bücher

Für heute haben wir noch ein Ass im Ärmel, sprich: ein Ziel das man auch bei dem aktuellen Sauwetter ansteuern kann ohne komplett nass zu werden. Tatsächlich regnet es gar nicht sehr stark, also machen wir uns erst recht auf die Socken nach Hereford zur Kathedrale.

Die Kathedrale ist recht groß und birgt einige interessante Details; recht außergewöhnlich beispielsweise ist der neu errichtete Schrein für die Mitglieder der britischen Spezialeinsatzkräfte SAS mit speziell angefertigtem Fenster.

Im Museumsteil liegt außerdem zu besichtigen eine Kopie der Magna Carta aus dem Jahr 1215, das die Grundlage der englischen Verfassung darstellt und auch in der amerikanischen Bill Of Rights zitiert wird.

Ein weiteres interessantes Ausstellungsstück ist die Mappa Mundi, eine große Radkarte aus dem 13. Jahrhundert. Wie damals üblich hat diese Karte mit Geographie nicht viel zu tun, und selbst wenn man bedenkt dass die Karte geostet ist, also Osten oben liegt und Jerusalem im Zentrum, sind einige Orte komplett falsch positioniert. Jeder Mittelmeerfischer hat wahrscheinlich schon damals gewusst, dass Italien so nicht aussieht, aber die Karte hatte wohl nie die Hauptaufgabe bei der örtlichen Orientierung zu helfen, sondern zeigt mehr spirituelle Dinge und christliche Heilsgeschichte.

Am interessantesten für uns ist aber die „Chained Library“, eine Sammlung alter Bücher die an die Regale angekettet sind. Bücher mit Ketten zu sichern war wohl im Mittelalter recht verbreitet, denn es verhinderte natürlich auf einfache und effektive Art und Weise dass die teilweise unersetzbaren Werke verschwanden und ließ doch das Studium vor Ort zu. Jetzt sind nur noch wenige dieser Bibliotheken in Ketten übrig und die Chained Library in der Hereford Cathedral ist nach eigenen Angaben die größte.

Leider darf man als einfacher Tourist sich die angeketteten Bücher nur von außen ansehen und nicht hineinschauen.

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Tage 14 + 15: 29./30. September 2019

Viel Landregen und noch mehr Bücher

Sonntag regnet es wie angekündigt ununterbrochen, und wir machen einfach mal gar nichts. Es sieht aus als wollte das Wetter den trockenen Sommer wieder wettmachen, in den Straßen sammeln sich große Pfützen und die Flüsse und Seen haben einen hohen Wasserstand.

Für Montagmorgen hat sich eine Regenlücke angekündigt, und tatsächlich ist früh am morgen der Himmel klar und wir machen uns auf den Weg nach Shrewsbury, auf den Spuren von Bruder Cadfael, dem schlauen Mönch aus den historischen Kriminalromanen von Ellis Peters.

Der größte Teil der Abtei die in den Romanen beschrieben wird ist schon vor Jahrhunderten zerstört worden, aber die Abteikirche als solche gibt es noch und einige Reste der Klosteranlagen sind noch zu sehen; es werden „Bruder Cadfael Rundgänge“ angeboten die einem auf den Spuren des Mönchs die Stadt näherbringen. Selbst wenn man für die Bücher nicht viel übrig hat ist Shrewsbury eine wunderschöne historische Stadt mit einer Abtei, einer Burg und vielen wundervollen Fachwerkhäusern, die eigentlich einen längeren Besuch verdienen als wir eingeplant haben.

Eine halbe Autostunde in Richtung Bromsgrove, dem Dorf das unser Feriencottage beherbergt, besuchen wir das Städtchen Ludlow und ihre Burgruine mitten im Ortskern. Man kann dort wunderbar in den Resten der alten Mauern herumwandern und den Ausblick auf die Umgebung genießen. Nur noch ein kleiner Teil des Schlosses hat noch ein intaktes Dach, das wird für Ambiente – Trauungen benutzt, der Burghof ist wohl des öfteren Schauplatz von Märkten und Ritterspielen. Uns fällt auf, dass kleine Städtchen wie diese voll sind mit kleinen urigen Läden, die teilweise ganz außergewöhnliche Dinge verkaufen. In Shrewsbury fanden wir einen Laden, der ganzjährig außergewöhnliche Weihnachtsdeko führt (Weihnachtskugeln in Form von Ginflaschen oder Ghettoblastern), in Ludlow einen Vintagekramladen der auf 3 Etagen voll ist mit altem Schmuck, Kleidung, Interieur und antiquarischen Büchern, und natürlich hat er jetzt wenigstens ein Buch weniger als heute morgen (Hallo farbig illustrierter David Copperfield, willkommen in meiner Sammlung!).

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Tage 12 & 13: Umzug und Bücher

Gestern sind wir aus Cornwall nach Worcestershire umgezogen. Zurück gelassen haben wir ein neu gebautes Cottage das mit allen modernen Annehmlichkeiten ausgerüstet war und sind in einewahrscheinlich in den 70ern oder 80ern umgebaute Scheune gezogen. Auch hier ist alles nötige vorhanden, aber für eine volle Badewanne reicht der Warmwasservorrat schon mal nicht… 😉
Auch ist die letzte Reinigung wohl schon ein paar Tage her gewesen wenn man die toten Spinnen und Insekten so zählt… aber nachdem wir das Geschirr für ein besseres Gefühl einmal durch die SpüMa gejagt haben ist es ganz gut hier. Ich vermute auch dass die wohl ausgefallene Neureinigung eher eine Ausnahme darstellt, die Vermieterin wird Montag ihre Schwiegermutter beerdigen, da hat man sicherlich anderes im Kopf, vor allem wenn der Leichenschmaus hier stattfindet (Sie hat uns wegen der Parksituation vorgewarnt.)
Leider fängt mein Körper etwas an zu zicken, heute Nacht schmerzte der Rücken sehr und beim durch den Ort laufen waren meine Knie wieder dran.

Heute sind wir dann nach Hay-on-Wye gefahren. Leider war ein ziemlich übler Stau in Worchester, so dass wir die kleinen Straßen Richtung Wales erst später als erwartet erreichten.
Hay-on-Wye ist die selbsternannte „World’s First Book Town“, weil sie mehr als ein Dutzend Geschäfte mit Antiquariaten beherbergt. Diese reichen von einfachen Second Hand Taschenbüchern bis hin zu echten antiquarischen Büchern inklusive signierten Exemplaren und Erstausgaben.

Es ist natürlich klar, dass dieser Ort für Andrea dem Himmel wohl sehr nahe kommt… und da konnte man schon schlimme Befürchtungen für unsere Finanzen bekommen… 😉
Es hält sich aber doch deutlich in Grenzen… dafür sind es aber auch schöne illustrierte Exemplare, wie ihr in dean Bildern sehen könnt.
Viel mehr ist in dem Ort nicht zu sehen, zumal das Castle gerade eingerüstet ist.

Also haben wir uns auf den Rückweg gemacht, diesmal auf einer anderen Weg über eine abenteuerliche Holzbrücke (Maut: 1 GBP) um dann festzustellen, dass die kleine Straße an der der Hof liegt in dessen umgebauter Scheune wir wohnen gesperrt ist und wir eine Schleife auf noch kleineren Straßen fahren mussten.
Aber wir sind heile zurück und Andrea schmökert schon mit einem heißen Tee neben sich in den Büchern.

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Tag 11: Donnerstag, der 26. September 2019

Zu Besuch bei Viscount Clifden

Unser letzter Tag in Cornwall, morgen fahren wir weiter nach Norden.

Für heute haben wir uns eine hübsche kleine Hafenstadt ausgesucht, namens Padstow. Es ist tatsächlich noch ein Fischerdorf, mit urigen kleinen Cafés und Restaurants an der Mündung des Flusses Camel gelegen. Wir schauen uns dort um, beobachten ein wenig das muntere Treiben und machen uns dann auf nach Bodmin.

An sich wollten wir uns das alte Gefängnis („Bodmin Jail“) ansehen und ein paar Fotos zum Thema „verlassene Orte“ schießen, aber das Gebäude ist komplett eingerüstet und das verdirbt uns dann doch die Lust darauf. Dafür ist es aber nicht weit zu Lanhydrock Castle, einem wunderschönen Schloss mit großer Park- und Gartenanlage, und das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Wir freuen uns über junge Kühe und Jungbullen, die zwischen Schulklassen, Touristen und Spaziergängern die Wiesen beweiden und auch mal einen Kuhfladen auf dem Weg hinterlassen. Empfindliche weil neu gepflanzte Bäume werden geschützt, ansonsten lässt man die Tiere einfach vor sich hin grasen.

Die Schlossanlage an sich ist mit einem typischen englischen Garten versehen, bei dem alles richtig geometrisch ordnetlich angelegt ist. Ein paar der fein getrimmten Lebensbäume haben sich freilich nicht an die Spielregeln gehalten und sind einfach gestorben, um mit einem verdorrten Buschrest das edle Bild der Formation aus grünen Zylindern zu zerstören. Wir können den den Gartenkünsten der einfachen Leute hier deutlich mehr abgewinnen.

Wir finden Schlösser und Burgen normalerweise von außen wesentlich reizvoller als von innen, aber wo wir schonmal den nicht unerheblichen Eintrittspreis bezahlt haben machen wir auch den Rundgang durch das Schloss. Eigentlich sollte es uns nicht verwundern, denn wir sind ja in England und die alten Gebäude sind nicht ausgeplündert wie in Deutschland. Hier ist alles wie im Jahre 1880, und man bekommt einen wunderbaren Einblick in das Leben einer wohlhabenden Adelsfamilie. Schon der weitläufige Küchenbereich haut uns total vom Hocker, man sieht förmlich die Bediensteten dort herumwirbeln und das Essen zaubern. Wir sehen auch komplett eingerichtete Kinderzimmer mit Spielzeug und allem drum und dran, und ein reizender älterer Gentleman erzählt uns von den Zwillingen die hier schliefen, wer auf den dort zu sehenden Fotos wer ist etc. Immer wieder finden wir an den historischen Stätten Leute vor die sich freuen mit Fremden wie uns einen kleinen Plausch zu halten, und wir begeistern uns für die kleinen Geschichten aus der Vergangenheit. 150 Jahre alte Kinderbücher gibt es hier, und in dem großen Saal eine ebenfalls beachtliche Sammlung von wertvollen antiquarischen Büchern. In jedem Raum passt ein Freiwilliger auf dass die Leute keinen Unsinn machen, daher kann ich keines „aus Versehen“ mitgehen lassen ….